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Menschen, Qualifizierung und Arbeit zusammenbringen Ein neuer Blick auf die Arbeitsplätze – Arbeitsmarktexperten und Praktiker suchen Lösungsansätze

Nach einer coronabedingten Unterbrechung konnte das Jobcenter Frankfurt die Tradition seines jährlichen Arbeitsmarktfrühstücks wieder aufnehmen, um in angenehmer Atmosphäre mit Arbeitgebern und Netzwerkpartnern ins Gespräch zu kommen und über „Neuigkeiten“ zu informieren, wie es die Einladung versprach. Was Insider bereits wussten, war für andere neu: Für die scheidende langjährige Jobcenter-Geschäftsführerin Claudia Czernohorsky-Grüneberg war es das letzte Arbeitsmarktfrühstück. Ihr Nachfolger und bisheriger Stellvertreter Ulli Dvorak präsentierte sich im Schlusswort zu der Veranstaltung. Erstmals in diesem Rahmen referierte sodann Franziska Naundorf-Frerichs, die seit einigen Monaten als Leiterin Operativ den Bereich Markt & Integration im Jobcenter verantwortet und zugleich stellvertretende Geschäftsführerin ist. Ein Premiere auch für die Bereichsleiterin Bozana Budimir in der Rolle der Moderatorin. An interessanten Themen hatte es auch bei den vorangegangenen Meetings nicht gefehlt. Nie zuvor aber hatten mehr Teilnehmer:innen das Arbeitsmarktfrühstück besucht als in diesem Jahr. Mit dem Thema „Menschen, Qualifizierung & Arbeit zusammenbringen“ war offenkundig ein wesentliches und zentrales Anliegen erfasst.

Neue Rahmenbedingungen schafft das Bürgergeld, wie Franziska Naundorf-Frerichs erläuterte. Jobcenterkund:innen sollen „auf Augenhöhe“ beraten und Ziele gemeinsam vereinbart werden. Der unbedingte Vorrang der Vermittlung entfällt, wenn eine andere Leistung für die dauerhafte Eingliederung erforderlich ist. Dies ist regelmäßig bei Personen ohne Berufsabschluss der Fall. Deshalb stehen Qualifizierungen und Teilqualifizierungen im Fokus. Konkret bedeutet dies für die Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW): Bei Weiterbildungen mit Abschluss wird bei einer erfolgreichen Zwischen- oder Abschlussprüfung eine Weiterbildungsprämie an die Teilnehmer:innen gezahlt. Zusätzlich wird ab 01.07.2023 ein monatliches Weiterbildungsgeld von 150 Euro gezahlt. Ein weiterer Anreiz ist künftig der Bürgergeldbonus bei nicht abschlussorientierter Weiterbildung mit einer Dauer von mehr als acht Wochen, vorbereitenden Bildungsmaßnahmen und der Vorphase der assistierten Ausbildung.

Eine größere kundenangemessene Bedeutung erlangen Teilqualifizierungen (TQ): Jeder Ausbildungsberuf wird in fünf bis acht Module gegliedert, die jeweils zwei bis sechs Monate dauern, wobei die Reihenfolge der Module frei wählbar ist und diese nicht aufeinander folgen müssen. Am Ende eines jeden Moduls steht eine Kompetenzfeststellung mit Zertifikat. Ferner besteht keine Verjährungsfrist für die Ablegung der Externenprüfung. Damit schafft die Teilqualifizierung eine Win-win-Situation für Unternehmen und An- und Ungelernte zugleich. Die Top-10-Liste der TQ-Module dominieren die Bürokaufleute, gefolgt von den Verkaufs- und Elektroberufen, der Gastronomie, den Groß- und Einzelhandelskaufleuten und Lagerlogistik. Das Jobcenter hat mehrere Fördermöglichkeiten für Arbeitgeber: Finanzielle Zuschüssen für die Einstellung von Langzeitarbeitslosen, Eingliederungszuschüsse (EGZ) und die Umwandlungsprämie für Minijobs. Ein besonderer Service ist die gewerbliche Jobvermittlung des Jobcenters für den kurzfristigen Einsatz von Hilfskräften.

Ist die berufliche Weiterbildung eine Antwort auf die Fach- und Arbeitskräftebedarfe? Dieser Frage widmete sich Dr. Carola Burkert vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Hessen. Fakt ist: Arbeitskräfte sind knapp wie nie, der Sofortbedarf nach Personal steigt, den Betrieben fehlen immer mehr (geeignete) Bewerber:innen und durch die demographische Entwicklung schrumpft der Arbeitsmarkt bzw. das Potential an Erwerbspersonen geht zurück. Die Weiterbildungsbeteiligung und -quote verharren nach IAB-Feststellungen auf einem relativ niedrigen Niveau (Stand 1. Hj. 2021), aber die Betriebe machen überwiegend positive Erfahrungen mit digitalen Weiterbildungsformaten. Die Voraussetzung für den Erfolg von Maßnahmen für Geringqualifizierte sieht Dr. Burkert im funktionierenden Zusammenspiel der betroffenen Menschen, der Unternehmen, der Bildungsträger und der staatlichen Förderung.

Über konkrete Erfahrungen mit der Teilqualifizierung im Handel verfügt die REWE Group, über die Dirk Hoffmann, Senior Consultant Talent Acquisition, berichtete. Zielgruppe sind Teilnehmende aus den Jobcentern (Geringqualifizierte, Geflüchtete, eigene geringfügig Beschäftigte mit Zusatzleistungen durch das Jobcenter). Ziel der TQ ist die Aufnahme der Beschäftigung mit mindestens 20 Wochenstunden. Die TQ bei REWE richtet sich grundsätzlich nach dem Ausbildungsrahmenplan des angestrebten Ausbildungsberufs. Sie besteht aus einem theoretischen Teil, der bei einem Bildungsträger absolviert wird, und einem praktischen Teil im Unternehmen. In einer vierwöchigen Vorschaltmaßnahme werden die Basics erarbeitet, dann schließen sich die Module 1 (Kasse, Kassieren) mit 14 Wochen Dauer und 2 (Bedienen, Beraten, Verkaufen) mit 14 Monaten Dauer an, ggf. folgen Zusatzmodule.

In der Podiumsdiskussion war sich Dirk Hoffmann mit der gesamten Runde einig, dass das Zusammenspiel Jobcenter, Bildungsträger und Unternehmen funktionieren muss, um die Teilnehmer für die Qualifizierungsmaßnahme zu gewinnen und zu halten. Dem Jobcenter Frankfurt bestätigte Dirk Hoffmann eine beispielhaft gute Zusammenarbeit.