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Mexican Eatery mit einer „konzertierten Aktion“ erfolgreich gestartet

Wenn es um die Personalsituation in der Gastronomie geht, sind Erfolgstories und Best-Practice-Beispiele gegenwärtig eher selten. Denn Corona hat die Branche kräftig durcheinander gewirbelt. Viele Beschäftigte, für die ein Job im Service oder in der Küche interessant war, haben andere Möglichkeiten gefunden. Auch die Ausbildungszahlen sind dramatisch gesunken. In der Folge suchen die gastronomischen Betriebe händeringend Personal – Fachkräfte ebenso wie Helfer in Küche und Service. Die Mexican Eatery in der zeilnahen Frankfurter Stiftstraße ist geradezu das Paradebeispiel einer gelungenen Personalrekrutierung: „Eine Erfolgsstory“, wie Geschäftsführer Madjid Djamegari und Dr. Thorn Kray übereinstimmend feststellen.

Der promovierte Sozialwissenschaftler Thorn Kray ist seit einem Jahr im Arbeitgeberservice des Jobcenters Frankfurt tätig: „Als gut geöltes Scharnier zwischen Behörde und Arbeitgebern halten wir die Wege so kurz wie möglich. Natürlich kann auch das Jobcenter die Personallücke nicht alleine schließen, gerade wenn es um Fachkräfte geht. Projekte wie dieses zeigen aber: Wir tragen unseren Teil bei.“ Thorn Kray ist für die Betriebe im Bereich des Jobcenters Ost zuständig und betreut das Mexican Eatery von Beginn der Personalsuche an. „Für uns ein wichtiger Partner“, berichtet Geschäftsführer Madjid Djamegari. Das gilt in gleicher Weise für den Nachbarn von der gegenüberliegenden Straßenseite, die gpe – Gesellschaft für Personalentwicklung mbH. Sie berät und begleitet im vermittlungsorientierten Coaching eine große Anzahl von Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Auftrag des Jobcenters. Der Fokus der gpe-Maßnahmen liegt auf der Heranführung an den Arbeits- und Ausbildungsmarkt sowie der Verringerung und Beseitigung von Vermittlungshemmnissen. Die Vermittlungserfolge der gpe sind beachtlich.

Wer zum Kundenkreis des Jobcenters zählt, ist in der Regel schon länger arbeitslos. Mit dem neuen Job bei Mexican Eatery haben gleich zehn Jobcenterkund:innen ihre Arbeitslosigkeit beendet. Henry Urmann, Prokurist und Leiter der Zentralvermittlung bei der gpe, schildert die Vorgehensweise im Rekrutierungsprozess: „Mit dem Betriebsleiter von Mexican Eatery wurden die Anforderungsprofile definiert und geeignete Bewerber:innen aus dem Vermittlungscoaching ausgewählt, möglichst mit Vorerfahrung in der Gastronomie und besonders solche mit einem Migrationshintergrund aus Mittel- und Südamerika. Wir haben die Interessierten in kleinen Gruppen zu Inhouse-Bewerbertagen eingeladen. Sie konnten sich dem potenziellen neuen Arbeitgeber persönlich vorstellen. Der persönliche Eindruck zählt oft mehr als die reine Papierform der Bewerbungsunterlagen.“

Ein Aktionsbündnis

Im Sinn der kurze Wege war Dr. Thorn Kray vom Jobcenter zum Teil bei den Bewerbertagen zugegen und konnte weitere Teilnehmer:innen für das Auswahlverfahren zusteuern. Auf diese Weise waren auch die Ansprechpartner beteiligt, die für die Entscheidung über Eingliederungszuschüsse und Fördermöglichkeiten nach dem Teilhabechancengesetz zuständig sind, Sabine Fritsche und Juliana Paul. „Die hohe Förderzusage nach dem Teilhabechancengesetz (§ 16i/e SGB II) braucht Zeit. Das wurde gegenüber dem Arbeitgeber deutlich kommuniziert, so dass er die Fristen durch betriebliche Praktika überbrücken konnte.“

Auf diesem Weg hat die Mexican Eatery das passende Personal gefunden, zum Beispiel seinen Barchef, einen 43-jährigen Frankfurter mit ausgeprägter Erfahrung als Barmanager, Betriebsleiter und Gastronom. Oder eine portugiesische Fachkraft als Barista und Barkeeper, der das Metier seit 2008 kennt. Oder einen Mann aus Venezuela, der seit 2020 in Deutschland lebt, den Integrationskurs auf B1-Level absolviert hat und seine Ausbildung und Erfahrung als Koch in Chile einbringen kann. Oder die Servicekraft, die aus der Dominikanischen Republik stammt, in ihrem Heimatland ein literaturwissenschaftliches Studium absolviert und in der Gastronomie gearbeitet hat. In Deutschland hat sie den Hauptschulabschluss nachgeholt und in unterschiedlichen Jobs gearbeitet, bevor sie für mehrere Jahre arbeitslos wurde. In der Küche wird ein kroatischer Mitbürger beschäftigt, der seit 2013 in Deutschland lebt und hier und in seiner Heimat als Pizzabäcker gearbeitet hat. Unter den Eingestellten ist eine junge in Russland geborene Frau mit mehrjähriger Serviceerfahrung. Sie kann mit dem neuen Job eine längere Arbeitslosigkeit beenden. Die Beispiele zeigen: Die Gastronomie bietet nach wie vor Beschäftigungschancen für ganz unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Profilen.

Das Unternehmen mit Einstellungsbedarf, den Arbeitgeberservice, den Träger gpe und die zuständigen Teams im Jobcenter in einer Art Aktionsbündnis zusammenzubringen, hat zum Erfolg geführt. Diese „konzertierte Aktion“, die jetzt die Bundesregierung auf einer anderen Ebene als ein Instrument der Krisenbewältigung einsetzt, könnte – nach Auffassung von Madjid Djamegari – das Muster für andere gastronomische Betriebe in Frankfurt bei der Lösung ihrer Rekrutierungsprobleme sein. Die Empfehlung von Madjid Djamegari hat Gewicht: Er gehört seit vier Jahren dem DEHOGA-Landesvorstand Hessen an und ist stellvertretender Fachbereichsleiter Gastronomie im Verband.

Ein Innovationskonzept

Der 53 Jahre alte Deutsch-Iraner Madjid Djamegari ist gelernter Bankkaufmann und hat seine Liebe und Leidenschaft zur Gastronomie schon vor mehr als zwanzig Jahren entdeckt. Als gastronomischer Unternehmer hat er mit Gibson Club Frankfurt auf der Zeil und vor allem dem Gibson Beach Club OP 2 am Opernplatz Aufmerksamkeit gefunden. Der Beach Club bietet mitten in der City Strandfeeling ohne Meer, aber mit Entertainment. Darauf legt Madjid Djamegari auch im Mexican Eatery großen Wert. „Unsere Gäste sollen eine gute Zeit haben und genießen. Dafür bieten wir ihnen den Rahmen.“ Das Konzept von Mexican Eatery wurde in eineinhalb Jahren Planung und zahlreichen Reisen nach Mexiko erarbeitet. Es ist innovativ und einzigartig – nicht nur in Frankfurt, sondern wohl deutschlandweit. Es vereint drei Bereiche: Bar, Restaurant und Taqueria. Was die Pizzeria für Pizzas ist, ist die Taqueria für Tacos, das bekannteste Streetfood Mexicos. Die beiden anderen Bereiche sind das Restaurant mit einem Fine-Dining-Angebot authentisch zubereiteter mexikanischer Gerichte und stilvolle Tequilla-Bar – ein Ensemble auf 400 m2 Fläche.

Madjid Djamegari erzählt: „Am Anfang stand eine Frage: Warum gibt es in Deutschland so wenige authentische mexikanische Restaurants, obwohl weltweit von der Vielfalt und den Geschmacks-Facetten dieser Küche geschwärmt wird und selbst der Guide Michelin und The World’s 50 Best Restaurants diese mit Lobeshymnen überschüttet? Warum sind wir in der kulinarischen Welt der 90er Jahre hängengeblieben, wenn es um mexikanische Aromen-Welten geht, wo doch der globale Taco- und Tequila-Trend seit einigen Jahren unaufhaltbar scheint und alle Welt nach Tulum reist? Also haben wir uns aufgemacht, uns intensiv mit dieser Küche beschäftigt, sind viel gereist und haben mit vielen Menschen, die davon Ahnung haben, diskutiert. Daraus ist ein leidenschaftliches Gastronomie-Projekt entstanden. Mit Musik und Lebensfreude und täglich frischen, hausgemachten Speisen aus der offenen Küche. Das Gastronomiekonzept ist eine Liebeserklärung an Mexikos facettenreiche Kulinarik und wunderbare Lebensfreude. Fernab von Klischees, Tex-Mex und Tequila mit Zitrone und Salz. Verpackt in ein zeitgemäßes Design-Konzept. Um es so authentisch wie möglich zu gestalten, haben wir zudem Stühle, Lampen, Stoffe, Geschirr und Gläser von traditionellen und modernen Manufakturen aus Mexiko importiert.“

27 Mitarbeiter sind gegenwärtig bei Mexican Eatery beschäftigt. Wenige Wochen nach der Eröffnung zeigt sich, dass das Angebot sehr gut angenommen wird. Der Betrieb sucht deshalb weiter neues Personal.

Info / Kontakt

Mexican Eatery
TAQUERÍA „La original“
Stiftstraße 41
60313 Frankfurt am Main
Tel. 069 / 915 014 31