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Lebensmittel retten und Menschen helfen

Das System der Tafeln lebt vom ehrenamtlichen Engagement und von Spenden. Diese beiden Säulen tragen die Frankfurter Tafel wie die anderen 967 Tafeln in Deutschland. Sie durch andere Hilfesysteme zu ersetzen, wäre ein gigantischer Aufwand und aufgrund der Besonderheiten eigentlich nicht leistbar. „Lebensmittel retten und Menschen helfen“ ist die bestimmende Idee für die Tafeln. Brauchbare Lebensmittel zu verteilen, deren Mindesthaltbarkeit abgelaufen oder von Verfall bedroht ist, passt in kein staatlich organisiertes und reguliertes System. Die Tafeln schaffen es, eine wachsende Zahl von Bedürftigen zu unterstützen. Trotz aller Hürden, die vor einigen Monaten die Presse bewegten, gelingt dies unverändert auch der Frankfurter Tafel. Der gemeinnützige e. V. wird von einem dreiköpfigen Vorstand und zwei Beisitzern geführt - rein ehrenamtlich, ohne Aufwandsentschädigung.

Seit mehr als zwanzig Jahren steht Rainer Häusler als Vorstandsvorsitzender an der Spitze des Vereins, in dessen Arbeit er sich bereits seit 1996 aktiv einbrachte. Sein Name ist nicht nur mit der Frankfurter Tafel eng verbunden, sondern steht auch für ein Autohaus der japanischen Marke Subaru, das er vor fast genau 40 Jahren gegründet hat. Der 72-jährige Kfz-Meister denkt mittlerweile an den Rückzug aus dem Tagesgeschäft und plant die Übergabe des Unternehmens an seine Tochter Franziska. Die Frankfurter Tafel kann sicherlich weiter auf sein Engagement zählen.

Ausbildungsplätze

In beiden Funktionen hat Rainer Häusler gegenwärtig mit dem Jugendjobcenter (JJC) zu tun. Seinem Ansprechpartner im Arbeitgeberservice des JJC, Christian Aakipogu, ist es gelungen, eine junge Frau für die Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin zu gewinnen. Rainer Häusler hatte sich zuvor über einige Jahre selbst bemüht, diesen Ausbildungsplatz in einer klassischen Männerdomäne weiblich zu besetzen. Bei dieser erfolgreichen Vermittlung hat sich Christian Aakipogu „richtig reingehängt“, wie Rainer Häusler anerkennend feststellt.

Die 19-jährige Ecem Solak stammt aus einer türkischen Familie, ist in Höchst geboren und hat einen Realschulabschluss. Ihre Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin hat sie in der Werkstatt des Autohauses Häusler am 1. August 2022 begonnen, nachdem sie zuvor schon in einem mehrwöchigen betrieblichen Praktikum (MAG) voll überzeugen konnte. Sie ist sich sicher, den richtigen Beruf gewählt zu haben und hat die Unterstützung des Teams und der Juniorchefin Franziska Häusler, die als gelernte Automobil-Kauffrau im Betrieb selbst mit Hand anlegt. Mindestens 30 Gesellen hat Rainer Häusler in fast 50 Meisterjahren selbst ausgebildet, wie er sich erinnert.

Auch bei der Frankfurter Tafel bahnt sich ein möglicher Vermittlungserfolg an. Eine junge Frau absolviert gegenwärtig ein betriebliches Praktikum zur Erprobung. Wenn sie sich in dieser „Maßnahme bei einem Arbeitgeber“ (MAG) bewährt und vor allem Einsatzbereitschaft zeigt, kann sie mit ihrer kaufmännischen Ausbildung beginnen. Sie ergänzt dann den kleinen Stab von vier hauptamtlichen Kräften in der Verwaltung der Tafel. Für die Lehrinhalte, die die Frankfurter Tafel nicht vermitteln kann, will Rainer Häusler eventuell die Synergieeffekte seines Autohauses nutzen. Der Weg, mit Unterstützung des Jugendjobcenters eine passende Kandidatin zu finden, war nicht einfach, berichtet er.

Es liegt in der sozialen Ausrichtung der Frankfurter Tafel, dass sie Menschen aus dem Betreuungsbereich des Jobcenters eine Beschäftigungschance gibt. Dafür wurde ein Instrument wiederholt erfolgreich genutzt, der „Ein-Euro-Job“ mit der korrekten Bezeichnung „Arbeitsgelegenheit“. Mehrfach sei es gelungen, Langzeitarbeitslose auf diesem Weg an einen Job heranzuführen und wieder in die Arbeitswelt zu integrieren, erinnert sich der Vorstandvorsitzende.

Die soziale Dimension

Die Frankfurter Tafel zählt mittlerweile zu den größten Initiativen ihrer Art in Deutschland: Rund angemeldete 12.000 Kund:innen mit Frankfurt-Pass können eine der zwölf Ausgabestellen im Stadtgebiet nutzen. Hinzu kommen 12.500 bedürftige Menschen, die in 72 kooperierenden Sozialeinrichtungen mit Lebensmitteln der Frankfurter Tafel versorgt werden. Die neue Herausforderung sind etwa 4.000 ukrainische Geflüchtete, die auf die Frankfurter Tafel angewiesen sind. Für Bürger der Ukraine, die sich in Frankfurt aufhalten und nicht aus anderen Städten kommen, gibt es einen Zwei-Monats-Tafelpass für eine bestimmte Ausgabestelle. Er berechtigt zu einer 14-tägigen Warenabholung. Eine erneute Anmeldung ist untersagt und führt zum Ausschluss aus allen Einrichtungen der Frankfurter Tafel. Sobald sie vom Jobcenter betreut werden, können sie sich regulär mit dem Frankfurt-Pass bei der Tafel anmelden. Das System wird flexibel gehandhabt: Bei drohender Überlastung ist ein Aufnahmestopp erforderlich.

Die Folgen des Ukrainekriegs machen sich für die Frankfurter Tafel in mehrfacher Weise direkt und indirekt bemerkbar, z. B. durch die stark gestiegenen Treibstoffpreise, die die Logistikkosten von ursprünglich 3.000 Euro auf jetzt 8.000 Euro monatlich in die Höhe treiben. Aufgrund der allgemeinen Teuerung suchen zunehmend mehr Bedürftige die Ausgabestellen auf. Zudem geht vieles, was zuvor der Tafel gespendet wurde, jetzt in die Ukraine.

Mehr als 200 Mitarbeiter sind ehrenamtlich für die Frankfurter Tafel e. V. tätig. Für die Logistik stehen inzwischen 12 Kühlwagen zur Verfügung. Sie fahren ab 07.00 Uhr morgens die verschiedenen Abholstellen nach einem festen Plan an, übernehmen die gespendeten Lebensmittel ab Rampe und transportieren sie zu den Ausgabestellen, wo sie geprüft und sortiert werden. Nicht verwendbare Ware wird entsorgt. In der Spitze hat die Frankfurter Tafel bis zu 230 Tonnen Lebensmittel monatlich umgesetzt. Die Lebensmittelausgaben erfolgen alle 14 Tage.

Die Frankfurter Tafel finanziert sich zu 100 Prozent aus Spenden. Haltbare Lebensmittel wie Reis, Nudeln, Konserven, Zucker, Mehl und H-Milch kann jedermann in der Vilbeler Landstraße abgeben. Das Hauptkontingent steuern praktisch alle Supermärkte, Discounter, Filialisten und Ketten des Lebensmitteleinzelhandels bei. Aber das Spendenaufkommen geht aufgrund der geänderten Warenlogistik im Handeln tendenziell zurück. Ein verändertes Bewusstsein schaffen außerdem Initiativen, die dafür eintreten, dass Lebensmittel nicht weggeworfen werden, und „Foodsharing“-Vereine, die gerettete Lebensmittel unter den Mitgliedern verteilen.

Die Entwicklung

Die Anfänge waren eher klein und bescheiden. 1995 gründete Hella Schmieder – damals Mitglied im ASB-Vorstand – im Alter von 75 Jahren den gemeinnützigen mildtätigen Verein. Anfänglich versorgte sie eine überschaubare Anzahl von zwanzig bis vierzig Obdachlosen im Stadtgebiet mit Lebensmitteln – zunächst ohne vereinseigenes Fahrzeug. Sie hatte Kontakt zum Filmregisseur Artur „Atze“ Brauner, der im Frankfurter Ostend ein großes Bürogebäude in der Hanauer Landstraße besaß und ein Büro kostenfrei zur Verfügung stellte.

1996 startete dann der Echtbetrieb. Die ersten Lebensmittelspenden wurden in den Büroräumen zwischengelagert, zahlreiche Kühlschränke übernahmen die Kühlung, wo es notwendig war. Die Waren wurden mühselig und sehr umständlich durch den Hintereingang des Bürogebäudes durch Flure zu einem Fahrstuhl gebracht; später auf dem gleichen Weg wieder zu den Fahrzeugen der Auslieferung.

In der Folge begannen vier Frankfurter Hotels, für die soziale Einrichtungen Eintopf zu kochen und etwa zwanzig soziale Einrichtungen erhielten Lebensmittel. Bevor Hella Schmieder aus Gesundheitsgründen zurücktrat und Ehrenvorsitzende wurde, übernahm Peter Freitag im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme kommissarisch die Leitung und tägliche Organisation. Zu seiner Entlastung und zur Verbesserung der Organisationsstruktur wurde 2001 ein neuer Vorstand gewählt. Die Frankfurter Tafel e.V. gründete sodann im Bahnhofsviertel eine erste Lebensmittelausgabe in der Weißfrauengemeinde, die bis 2013 Ausgabestelle blieb. Es folgten die Ausgabestellen im Gallusviertel, in Offenbach, am Merianplatz, in Goldstein und Rödelheim. Etwa alle zwei Jahre wurde eine neue Ausgabestelle eingerichtet. Heute ist die Tafel mit zwölf Ausgabestellen bürgernah im gesamten Stadtgebiet präsent.

Die Frankfurter Tafel ist ein Seismograph für die soziale und gesellschaft­liche Lage in der Stadt. Es gibt immer mehr Bedürftige: Von Altersarmut Betroffene, Alleinerziehende, ehemals Selbstständige, die auf Grundsicherung angewiesen sind und andere, die aufgrund der Covid-Pandemie in Schwierigkeiten geraten sind. Für sie ist der Gang zur Frankfurter Tafel ein Weg und Ausweg zur Verbesserung ihrer Lebenssituation.

Info / Kontakt

Frankfurter Tafel e. V.
Vilbeler Landstraße 15
60386 Frankfurt am Main
Tel. 069 / 49 80 825
Spendenkonto IBAN DE91 5019 0000 0077 0089 26, BIC FFVBDEFF, Verwendungszweck: Lebensmittelkauf oder Treibstoff

Rainer Häusler GmbH
SUBARU-Autohaus
Mayfarthstraße 15
60314 Frankfurt am Main
Tel. 069 / 405 086 20