Internationaler Besucherservice am Frankfurter Flughafen

Erfolgreiches Projekt seit 2005: GFFB führt Langzeitarbeitslose an den Dienstleistungsbereich heran

„Welcome to Frankfurt!“ Nicht nur eine Lautsprecheransage begrüßt die Reisenden freundlich am Frankfurter Flughafen. Auch an fünf Countern in den Ankunftshallen leuchtet diese Einladung in fröhlichen Farben. Und selbstverständlich tragen die Damen und Herren vom internationalen Begrüßungsservice das Logo auf ihren gelben Polohemden und dunkelblauen Jacketts. Die „Dienstkleidung“ der freundlichen weiblichen und männlichen Hostessen hat die Stadt Frankfurt finanziert.

Multikulturell und mehrsprachig

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Freundliche und kompetente Informationen über das aktuelle kulturelle und touristische Angebot in der Stadt Frankfurt, darin liegt die Aufgabe des internationalen Begrüßungsservice.

„International“ ist wortwörtlich zu verstehen: 16 Nationen sind im Team vertreten. Die Servicekräfte können die Gäste nicht nur in Englisch begrüßen, weil dies ihr Muttersprache ist oder sie ihre Kenntnisse im Sprachcafé gerade aufgefrischt haben, sondern auch in Französisch, Schwedisch oder Arabisch, in Türkisch, Spanisch, Russisch oder einer fernöstlichen Sprache – je nach persönlichem Hintergrund. Deutsch beherrschen sie alle, aber nicht jeder spricht auch jede Fremdsprache. Dies ist auch nicht erforderlich, weil immer zwei oder drei Servicekräfte in gemischten Teams arbeiten und sich gegenseitig ergänzen.

Die Gästebetreuer begrüßen natürlich nicht nur die ankommenden Gäste, sondern informieren und beraten sie auch über die Sehenswürdigkeiten in der Stadt Frankfurt und der näheren Umgebung, über aktuelle Veranstaltungen und kulturelle Angebote sowie über ganz praktische Dinge wie die Nutzung des regionalen Personennahverkehrs. Dieser Service macht auch den Unterschied zu den allgemeinen Informationsdiensten am Flughafen aus, die über Fluglinien, Schalter usw. Auskunft geben. Das ist nicht die Aufgabe des Begrüßungsservice, sondern die Stadtinformation – eine zusätzliche Dienstleistung. Eine derartige Lotsenfunktion gab es vorher nicht. Bei Flughafen bezogenen Fragen kann der Begrüßungsservice behilflich sein, indem er an die richtige Stelle verweist.

Arbeitsgelegenheiten für Langzeitarbeitslose

Das Besondere: Es sind Langzeitarbeitslose, die beim internationalen Begrüßungsservice eingesetzt werden. Im Rahmen der allgemein als „Ein-Euro-Jobs“ bekannten Arbeitsgelegenheiten (AGH) gibt ihnen das Jobcenter Frankfurt am Main die Chance zur Teilnahme an diesem Projekt. Zwölf Monate sind sie im Einsatz, jeweils 25 Wochenstunden im Drei-Schicht-Betrieb zwischen morgens 6.00 Uhr und nachmittags 18.00 Uhr.

Die GFFB, ein gemeinnützig tätiger Träger, organisiert den internationalen Begrüßungsservice am Flughafen im Auftrag des Jobcenters Frankfurt am Main. Über 300 „Gästebetreuer“ haben an diesem AGH-Projekt teilgenommen, seit es im Jahr 2005 an den Start ging, wenige Monate nach der Gründung des Jobcenters. Es gehört damit zu den ältesten Projekten des Jobcenters in diesem Bereich. Es hat Erfolg und öffentliche Anerkennung gefunden, der Begrüßungsservice wurde bei den regelmäßigen Audits auch von Fraport mit Bestnoten bewertet.

Nutzen für das Gemeinwohl

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GFFB-Geschäftsführerin Barbara Wagner: „Wir wollen mit den Arbeitsgelegenheiten – so genannten ‚Ein-Euro-Jobs‘ – keine regulären Arbeitsplätze verdrängen. Der internationale Begrüßungsservice auf dem Frankfurter Flughafen ist ein zusätzliches Angebot, das es vorher noch nicht gab.“

Das Konzept wirkt durch seinen interkulturellen Ansatz wie maßgeschneidert für die Metropolregion Frankfurt: Es ist ein Angebot insbesondere für Menschen mit Migrationshintergrund, hat keine Altersbeschränkung, erfordert keine speziellen Fachkenntnisse und führt die Teilnehmer an den Dienstleistungssektor heran, in dem sich ein zunehmender Bedarf an Arbeitskräften abzeichnet.

Der Nutzwert dieser Maßnahme ist offenkundig: Alle profitieren – die Fluggäste, weil sie Informationen und Tipps über die touristischen und kulturellen Angebote in Frankfurt bekommen, gerade auch für den Fall, dass sie bei kurzen Aufenthalten nur wenig Zeit haben; die Stadt Frankfurt, weil sie einen Gewinn am Image einer weltoffenen, freundlichen Metropole hat; die Teilnehmer, denen eine Brücke in den Arbeitsmarkt gebaut wird; das Jobcenter Frankfurt, das Langzeitarbeitslose fördert und fordert, um ihnen ein Leben unabhängig von Sozialleistungen zu ermöglichen.

Hartmut Bebendorf, der beim Jobcenter Frankfurt für die Arbeitsgelegenheiten zuständig ist, berichtet, dass rund 26 Prozent der Teilnehmer nach zwölf Monaten keine Alg-II-Leistungen mehr beziehen.

Fördern und Fordern

Geschäftsführerin Barbara Wagner definiert das generelle Ziel der GFFB, das auch für den internationalen Begleitservice, eines ihre Lieblingsprojekte, gilt: „Unser Ziel ist es, Menschen in ihrer Entwicklung zu fördern und für die Zukunft stark zu machen.“ Deshalb haben alle Arbeitsgelegenheiten auch einen bestimmten Qualifizierungsanteil. Die Gästebetreuer werden mehrsprachig geschult, sie nehmen an einem Sprech- und Kommunikationstraining teil, sie werden in Kundenumgang und Konfliktbewältigung gecoacht und erfahren sogar eine Stilberatung. Sie sollen in ihren Fähigkeiten gefördert werden, Menschen aktiv anzusprechen – eine der zentralen Anforderungen für jeden, der einen Dienstleistungsjob ausüben möchte. Dafür werden die Gästebetreuer auch zusätzlich trainiert: Sie übernehmen eine Stadtführung, auf die sie sich gründlich vorbereiten, oder eine Präsentation ihres Heimatlandes.

Die Teilnehmer erhalten ein LCCI-Zertifikat in Englisch und am Ende der Maßnahme ein weiteres Zertifikat als „Internationaler Gästebetreuer“, das von der Industrie- und Handelskammer als Teilqualifikation anerkannt wird. Das kann im Einzelfall zu einer Verkürzung der Lehrzeit führen, ist auf jeden Fall aber ein Testat, das bei künftigen Bewerbungen hilft, zumal um eine servicenahe Tätigkeit im Flughafenbereich. Auch für einen Arbeitsplatz im Hotel- und Gaststättengewerbe, bei touristischen Einrichtungen oder Reisebüros sowie im Service- und Empfangsbereich von Unternehmen kann die Basis gelegt werden.

Für Annett Großmann, die Leiterin des Projektes Internationaler Begrüßungsservice bei der GFFB, zählen vor allem auch die positive persönliche Entwicklung der Teilnehmer, ihre Stabilisierung und der Motivationsgewinn, mit einer Berufsausbildung zu beginnen, sich weiter zu qualifizieren oder direkt einen Job zu übernehmen. Die Maßnahme wird regelmäßig evaluiert, um die Fortführung und Übertragung auf andere Einsatzbereiche zu erkunden. Barbara Wagner erscheint es naheliegend, den Begrüßungsservice auch an anderen, von internationalen Gästen stark frequentierten Standorten in der Stadt anzubieten.

Von Beginn des Projektes an hat die Fraport AG – bis hin zu Arbeitsdirektor Herbert May – den internationalen Begrüßungsservice wohlwollend begleitet und tatkräftig untertsützt. Die uneingeschränkt positiven Erfahrungen begründeten die Zusammenarbeit auch bei anderen Maßnahmen der Betreuung und Vermittlung von langezeitarbeitslosen Kundinnen und Kunden des Jobcenters Frankfurt.
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Das Team ist international und mehrsprachig: Die Teilnehmer kommen aus 16 Nationen und betrachten den internationalen Begrüßungsservice als ein Sprungbrett für einen Job im Dienstleistungssektor. GFFB-Projektleiterin Annett Großmann (li.) betreut gegenwärtig 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der zwölf Monate, die sie als „Ein-Euro-Jobber“ beim internationalen Begrüßungsservice eingesetzt werden.