PD_Frankfurt_04_2018

 AUSBILDUNG Jetzt die Einstiegsqualifizierung (EQ) nutzen Heranführung an die betriebliche Ausbildung Die Einstiegsqualifizierung (EQ) ist ein Erfolgsmodell: Mehr als 60 Prozent der EQ-Teilnehmer wurden in den vergangenen Jahren in eine betriebli- che Ausbildung übernommen. Dieses betriebliche Langzeitpraktikum von mindestens sechs bis maximal zwölf Monaten Dauer dient der Vermittlung von Grundlagen für den Erwerb der beruflichen Handlungsfähigkeit. Die Inhalte orientieren sich an den anerkannten Ausbildungsberufen (§ 4 BBiG, § 25 HwO und AltPflG). EQ kann auf die Ausbildungszeit angerechnet werden, falls eine Ausbildung in dem gleichen Beruf begonnen wird. EQ ist ein wirksames Instrument auch bei der Heranführung von Geflüchteten an das duale Ausbildungssystem in Deutschland. EQ richtet sich an folgende Zielgruppen: • Ausbildungsbewerberinnen und -bewerber mit individuell eingeschränk- ten Vermittlungsperspektiven, die auch nach dem 30. September im An- schluss an die Nachvermittlungsaktionen der Kammern und Arbeitsagen- turen keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, • Ausbildungsuchende, die noch nicht in vollem Umfang über die erforderli- che Ausbildungsbefähigung verfügen, • Lernbeeinträchtigte und sozial benachteiligte Ausbildungsuchende. Bewerberinnen und Bewerber mit Fachhoch- oder Hochschulreife können nur in begründeten Ausnahmefällen gefördert werden. Auch Jugendliche, die noch der Vollzeitschulpflicht unterliegen, können nicht im Rahmen von EQ gefördert werden. Die Förderung beginnt frühestens ab 1. Oktober. Ein vorzeitiger Beginn der Maßnahme ab 1. August ist für die Bewerberin und für den Bewerber aus früheren Schulentlassjahren („Altbewerber“), Lernbeeinträchtigte und so- zial Benachteiligte sowie noch nicht voll ausbildungsreife junge Menschen möglich. Mit den EQ-Teilnehmenden wird ein Vertrag mit Vergütungspflicht nach § 26 BBiG abgeschlossen. Der Arbeitgeber trägt die Sach- und Perso- nalkosten der EQ sowie den Beitrag an die Berufsgenossenschaft. Die Vergütung wird zwischen dem Betrieb und der EQ-Teilnehmerin bzw. dem EQ-Teilnehmer vereinbart. Tarifliche Vereinbarungen müssen be- achtet werden. Die Arbeitsagentur oder das Jobcenter erstattet dem Arbeitgeber auf Antrag einen Zuschuss zur EQ-Vergütung bis zur Höhe von 231 Euro monatlich (Stand 03/2017). EQ ist ein sozialversicherungs- pflichtiges Beschäftigungsverhältnis. Hierzu erhält der Arbeitgeber von der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter einen pauschalierten Anteil am durchschnittlichen Gesamtsozialversicherungsbeitrag. Dieser Betrag wird jährlich neu berechnet. Für die Dauer des individuellen Förderzeit- raums bleibt dieser Betrag konstant. Falls Berufsschulpflicht besteht, muss sie erfüllt werden. Der Besuch einer Fachklasse ist anzustreben, auch bei nicht mehr berufsschulpflichtigen Teil- nehmerinnen bzw. Teilnehmern. Die Förderung wird auch für Zeiten des Be- rufsschulunterrichts gezahlt. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, am Ende des Praktikums eine Bescheinigung über die vermittelten Kenntnisse und Fertigkeiten (betriebliches Zeugnis) auszustellen. Die jeweilige zuständige Stelle (Kammer) stellt auf Antrag des Unternehmens oder des Teilnehmenden auf der Basis des betrieblichen Zeugnisses ein Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme an der EQ aus. Die- ses bildet die Grundlage für eine mögliche Verkürzung einer anschließenden Ausbildung nach § 8 BBiG oder § 27b HwO. Sowohl IHK und HWK als auch die Arbeitsagentur und das Jobcenter bera- ten interessierte Betriebe gern bei allen Fragen im Zusammenhang mit der Einstiegsqualifizierung. 5 Michael Schenk hat den beiden jungen Männern jetzt eine Ausbildungs- chance gegeben: Der 19-jährige Ali wird in zwei Jahren zur Fachkraft im Gastgewerbe ausgebildet, Ramin (27) durchläuft die dreijährige Ausbil- dung zur Restaurantfachkraft. Das Jobcenter Frankfurt fördert ihre Aus- bildung durch die Ausbildungsprämie in Höhe von jeweils 5.000 Euro, die der Ausbildungsbetrieb erhält. Geschäftsführer Schenk nutzt diese Fördersumme und investiert sie z. B. in die Förderung berufsbezogener Deutschkenntnisse. Beide Azubis kamen im Jahr 2015 allein und ohne Familie aus dem Iran nach Deutschland. Hier wollen sie bleiben, sich in die Gesellschaft integrieren und arbeiten. Ali ist in Afghanistan geboren und im Iran aufgewachsen. Nach seiner Einreise nach Frankfurt hat er einen Alpha- betisierungskurs absolviert und den Hauptschulabschluss erworben. Persönlichen Interessen folgend, wollte der aktive Triathlet eigentlich zum Sport- und Fitnesskaufmann ausgebildet werden, bis aus einer zufälligen Begegnung mit Michael Schenk bei Kolping Jugendwohnen Frankfurt heraus der Plan zur Ausbildung im Gastronomiebereich ent- stand. Der ältere Ramin hat das Deutschzertifikat für das Sprachniveau B1, der angestrebte B2-Kurs wurde nicht gefördert. Er hat in seiner Hei- mat eine Schulbildung durchlaufen, von der er sich die Anerkennung als Abitur erwartete. Das Regierungspräsidium bestätigte ihm aber nur den Hauptschulabschluss. Seine Erfahrungen aus einer dreijährigen Tä- tigkeit als Schreiner in seinem Heimatland konnte er in die Ausstattung des Bistros „Tatkraft“ gut einbringen. Ihre Eignung für den Beruf in der Gastronomie konnten die beiden Azubis in einem Praktikum zeigen. Gastronomie bedeutet Umgang mit Menschen und Kommunikation. Dass beide freundlich und kundenori- entiert auftreten, zeigen sie täglich. „Ihre Kommunikationsfähigkeiten verbessern sich von Tag zu Tag“, bemerkt ihr Chef Michael Schenk. Sprachtraining on the job erscheint ihm effektiver als die Klassensitua- tion im Kurs. Im Bistro „Tatkraft“ bildet das Kolping Bildungswerk für den eigenen Bedarf aus und kann dabei auch seine personellen Ressourcen als Bil- dungsträger nutzen. Im Auftrag der Agentur für Arbeit betreut das Kol- ping Bildungswerk ca. 50 Ausbildungsteilnehmer bei reha-integrativen Maßnahmen und Maßnahmen für Lernbehinderte, etwa 20 Nachqua- lifizierungsanwärter und 75 Studierende zum Fachwirt Erziehungswe- sen. Insgesamt werden 18 Mitarbeiter in der gemeinnützigen GmbH beschäftigt, darunter sechs Ausbilder und drei Sozialpädagogen.

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