PD Frankfurt 01 2021 (1)

3 Gastbeitrag Fast scheint es, als seien zu Beginn des neuen Jahres alle Erfolge im Kampf gegen das Corona-Virus dahin: Erneut arbeitet das Gesundheitssystem an der Belastungsgrenze, erneut sind Kinos, Theater, Geschäfte und Sportstät- ten geschlossen, erneut sind Existenzen bedroht, erneut müssen Bürgerin- nen und Bürger tiefe Eingriffe in ihre persönliche Freiheit hinnehmen. Aber anders als im Frühjahr 2020 gibt es jetzt Anlass zur Hoffnung. Mit dem Start der Impfungen haben wir begonnen, die Pandemie medizinisch zu besie- gen. Und das ist die wichtigste Voraussetzung, um sie auch wirtschaftlich zu überwinden. In den ersten Monaten stand die ökonomische Notfallmedizin im Vorder- grund. Zunächst mit der Soforthilfe, dann mit der Überbrückungs- und der Novemberhilfe haben Bund und Länder viele Unternehmen über Wasser ge- halten. Hessen hat dabei die Angebote des Bundes teilweise aufgestockt und mit eigenen Akzenten – beispielsweise mit dem Programm Mikroliqui- dität – flankiert und ergänzt. Gleichzeitig hat die Landesregierung jedoch eine weiterreichende Strategie entwickelt. Denn unser Land soll aus dieser Krise gestärkt hervorgehen. Bund und Länder haben wegen der Pandemie enorme Schulden aufnehmen müssen. Dieses Geld müssen wir verantwortungsvoll investieren. Und zwar in die Zukunft. Dazu müssen wir über die Pandemie hinausschauen. Denn Corona hat viele Probleme zwar aus den Schlagzeilen verdrängt, aber nicht aus der Realität. Die Erderhitzung gefährdet unsere natürlichen Lebensgrundlagen immer stärker, der technologisch-ökonomische Strukturwandel der Digitalisierung stellt gewohnte Geschäftsmodelle in Frage, Unternehmen brechen Umsätze und damit die Mittel für dringend notwendige Investitionen weg. All diese Herausforderungen beeinflussen einander und verstärken sich mitunter so- gar gegenseitig. Daher lassen sie sich nicht isoliert bewältigen. Unsere Antwort darauf ist der Neue Hessenplan für Hessens Wirtschaft. Er schützt gesunde Unternehmen vor den Folgen der Pandemie und unterstützt sie gleichzeitig beim technologisch-ökonomischen Wandel. Er investiert in die öffentliche Infrastruktur und eröffnet zugleich jungen Leuten neue Chancen für den Start ins Berufsleben eröffnen. Er macht unsere Wirtschaft widerstandsfähiger, innovativer und nachhaltiger. Widerstandsfähiger müssen wir werden, weil in unserer vernetzten und ver- flochtenen Welt globale Krisen auch in Zukunft jederzeit eintreten können – durch ein Virus, durch Finanzkrisen, durch Klimaextreme oder etwas, an das heute noch niemand denkt; innovativer, weil neue, komplexe Herausfor- derungen neue Lösungen verlangen; und nachhaltiger, weil nur ökologische, ökonomische und soziale Zukunftsfähigkeit zu wirtschaftlicher Stabilität führt. Das Schuhgeschäft, das sich einen Vertrieb per Internet aufbaut, ist wider- standsfähiger, weil es mit dem Strukturwandel mitgeht. Und damit auch innovativer. Wer seine Prozesse digitalisiert, hat es einfacher, auch vom Homeoffice aus alle Aufträge zu erledigen. Wer seine Fabrik mit moderner Hessen widerstandsfähiger, innovativer und nachhaltiger machen Von Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen Tarek Al-Wazir, 1971 in Offenbach geboren, verheiratet und Vater von zwei Kindern, ist seit 2014 Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung (seit 2018: Wohnen) und Stellvertreter des Ministerpräsidenten. Der studierte Dipl.-Politologe wurde 1995 erstmals in den Hessischen Landtag gewählt und war langjähriger Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und Landesvorsitzender dieser Partei.

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